Luis und Luis, die zwei ermordeten Gewerkschafter Barrancabermejas

24. Juli 2009

Während die Schweiz vor der Ratifizierung eines Freihandelsabkommens mit Kolumbien steht, Bundesrätin Doris Leuthard den kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe in Bogotá für seine Politik der “demokratischen Sicherheit” lobt und bürgerliche Nationalräte eine Verbesserung der Menschenrechtslage durch “intensivere Handelsbeziehungen” erzielen wollen, legen ausgerechnet die USA, wichtigster Verbündeter Kolumbiens, den Abschluss eines Freihandelsabkommens auf Eis. Solange das systematische Morden, Vertreiben und Bedrohen von Gewerkschaftern anhält, so die Obama-Administration, ist nicht an Ratifizierung zu denken.

Seit 1986 wurden in Kolumbien über 2′500 Gewerkschafter ermordet und der Mord an zwei Aktivisten der Busfahrergewerkschaft Sincontrainder im Jahre 2001 reiht sich ein in diese unheimliche Serie. Warum müssen einfache Busfahrer, Familienväter, ihr Leben lassen für so triviale Forderungen wie Arbeitsverträge, Lohnerhöhungen oder eine Krankenversicherung? Ich begleite einen Anwalt und eine Psychologin der Corporación Compromiso nach Barrancabermeja, Ort des Geschehens.
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Der weite Schatten der Ölpalme in Kolumbien

07. Juli 2009
Ein Arbeiter auf der Palmölplantage von San Alberto.

Ein Arbeiter auf der Indupalma Palmölplantage von San Alberto.

Der ebenso kometenhafte wie fragwürdige Anstieg der Produktion von Agrotreibstoff äussert sich in Kolumbien hauptsächlich durch die fortschreitende Expansion der Palmölplantagen (COMPROMISO MEDIOS berichtete im Beitrag “Kein Brot für Öl“). In meiner ersten Woche als Praktikant bei Compromiso hatte ich bereits die Gelegenheit an einem Forum betroffener Gemeinschaften teilzunehmen. Das “Encuentro Regional de Comunidades Palmeras” setzte sich zum Ziel Auswege aus der durch den Ölpalmenanbau verursachten Misere zu finden und fand vom 3. bis 4. Juli in der Gemeinde San Alberto im Departament Santander statt.

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Versuchte Entführung eines Compromiso-Mitarbeiters

06. Mai 2009

Mauricio im November '08 in Bucaramanga

Am Mittwoch den 22. April 2009 um 7:00 abends wurde MAURICIO MEZA BLANCO im Barrio Sotomayor in Bucaramanga Opfer einer versuchten Entführung durch Unbekannte.

Zur Denuncia geht es hier.

del morir y el nacer, del vivir y el hacer…

26. April 2009

Theaterstück aus Kolumbien

“Vom Sterben und Geboren werden, vom Leben und vom Tun” - “del morir y el nacer, del vivir y el hacer” mit der Grupo Teatral Arlequín y Los Juglares

Adriana Diosa Colorado  und Oscar Manuel Zuluaga der Theatervereinigung Arlequin y los Juglares legen mit ihrem Stück «Del morir y el nacer, del vivir y el hacer» («Vom Sterben und geboren werden, vom Leben und dem Tun») ein lebendiges Zeugnis ab, wie in Kolumbien Hoffnung und Ohnmacht neben- und miteinander leben, vor allem aber auch wie Gemeinschaften mit aktivem, gewaltfreiem Widerstand der Repression und der Gewalt die Stirn bieten und wie sie in all dieser Situation von Schrecken und Gewalt auch die Freude, die Schönheit und die Kreativität aufrecht erhalten

Das Theaterstück nutzt vor allem die nonverbale Sprache der Gestik und kommt mit wenig gesprochener Sprache aus. Dadurch wird es auch für ein Publikum verständlich, das Spanisch nicht versteht.

Aufführungen:

Zürich: Montag, 27. April 2009, 19.30 Uhr
Quartierzentrum Aussersihl,
Hohlstrasse 67, 8004

Basel: Mittwoch, 29. April 2009, 15.00 Uhr
Bläsibibliothek, Bläsiring 85
Puppentheater “El Arbol de los Sombreros”

Luzern: Donnerstag, 30. April 2009, 19.30 Uhr
Schulvorstellung 16.00 UhrLukassaal, Morgartenstrasse 16, 6003
Bern: Samstag, 2. Mai 2009, Essen ab 18.30 Uhr
21.00 Uhr Theater, danach Tanzfest
Schloss Köniz, Muhlernstrasse 9, 3098 Köniz

Vorpremière: “Témoin Indésirable”

16. April 2009

Samstag, 16. Mai 2009, 14:30 Uhr

Kellerkino, Kramgasse 26, Bern

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Im Zentrum dieses humanitären Dramas in Kolumbien steht ein Journalist, der in wöchentlichen Fernsehsendungen die Barbarei anprangert und unliebsame Tatsachen ans Licht bringt. Contravia ist die einzige Sendung, die sich in der von Serien und lokalem Showbiz-Klatsch geprägten Fernsehlandschaft noch halten konnte. Seine Exklusivreportagen brachten Hollman Morris internationale Anerkennung und renommierte Preise ein, aber auch Todesdrohungen und Einschüchterungsversuche aller Art. In dieser feindlichen Atmosphäre erwägen Hollman Morris und seine Familie, das Land zu verlassen.

Der Film schildert den Mut und die Heldenhaftigkeit eines Kriegsjournalisten, er zeichnet aber auch ein kompromissloses Portrait einer komplexen Person mit ihren Überzeugungen, Motiven und Ängsten und mit ihrem Engagement für die Meinungsfreiheit in einem von Krieg zerrissenen Land.

Justicia y Paz - Demobilisierung im Namen der Gerechtigkeit?

16. April 2009

Fotoausstellung von Jorge Mata zum Friedensprozess in Kolumbien

16. - 30. April 2009, Vidmarhallen, Bern

Jorge Mata ist einer der couragiertesten Fotografen des kolumbianischen Friedensprozesses und der Akteure der Zivilgesellschaft. Auf der Suche nach Gerechtigkeit verschafft er sich Zugang zu allen Lagern der Gesellschaft und wurde für seine eindrücklichen Bilder ausgezeichnet.

Hintergund zur Ausstellung

2005 wurde das Gesetz «Gerechtigkeit und Frieden» (Justicia y Paz) in Kolumbien eingeführt, welches die Demobilisierung der Paramilitärs und deren Amnestie ermöglicht. Seither sind 40’000 Waffen abgegeben worden. Trotzdem ist laut unabhängigen Berichten die Zahl der bewaffneten Personen, die den Paramilitärs oder der Guerilla angehören, kaum zurückgegangen. Viele der Demobilisierten finden ihre Zukunft im regulären Militär oder im privaten Sicherheitssektor. Es stellt sich die Frage, welche Zukunft die demobilisierten Kämpfer langfristig haben und wie sie wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden können? Wie wird es je zu Gerechtigkeit für die Zivilgesellschaft kommen, die in den 40 Jahren Krieg und Vertreibung viele Menschen verloren hat? Ist Frieden ohne Gerechtigkeit möglich?

Vidmarhallen,
Könizstrasse 161
3097 Bern-Liebefeld
Bus Nr. 17 Richtung „Köniz Weiermatt“ bis Station Neumattweg

Peacewatch sucht Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien

15. März 2009

In diesem Moment befinden sich laut Peace Watch Switzerland erste Menschenrechtsbeobachter aus der Schweiz in der Provinz Santander, wo sich auch die Stadt Bucaramanga befindet. Wie die Menschenrechtsorganisation in ihrem Newsletter schreibt, wird es noch in diesem Sommer zu regulaeren Einsaetzen von Menschenrechtsbeobachtern in Kolumbien kommen:

Die Planungen im Kolumbienprojekt werden konkreter. Wir freuen uns Ende Februar mit einer Pilotphase in Kolumbien starten zu können. Diese wird bis in den Sommer reichen. Gleichzeitig werden wir erfahrene PWS-Einsatzleistende für Einsätze ab Juli vorbereiten, um dem Projekt die
notwendige Kontinuität zu geben. Die Einsätze werden drei bis dreieinhalb Monate dauern.

Das Projekt verfolgt aehnliche Ziele wie es auch das COMPROMISO-MEDIOS Projekt verfolgt:

Wir beobachten zum Schutz der Zivilbevölkerung. Die internationale Präsenz vor Ort erschwert Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Menschenrechtsverletzungen können so nicht unbemerkt geschehen. Allen am Konflikt beteiligten Parteien und der betroffenen Zivilbevölkerung zeigt die Anwesenheit von internationalen Freiwilligen, dass der Konflikt in Kolumbien international bekannt ist und aufmerksam verfolgt wird. (…) Die Einsätze sensibilisieren auf verschiedenen Ebenen: Freiwillige, die einen Einsatz leisten, gewinnen eine tiefe Einsicht in die Probleme der kolumbianischen Gemeinschaften. Jenseits des touristischen Blickwinkels erleben sie eine andere Realität Kolumbiens. In der Schweiz erhalten wir so Informationen aus erster Hand: Augenzeugenberichte beschreiben die Probleme, deren Ursachen und Symptome. Die Berichte der zurückgekehrten Freiwilligen werden veröffentlicht und verbreitet. Durch Öffentlichkeitsarbeit in der Schweiz werden wir, und vor allem der Konflikt, stetig bekannter. Alle Freiwilligen leisten nach ihrem Einsatz einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit.

Falls jemand interessiert ist, einen 3-monatigen Einsatz als Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien zu leisten, so meldet euch bitte in der Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 044 272 27 88 oder per Mail unter info@peacewatch.ch .

Die Strategie der Einschüchterung

07. März 2009

“Erste Bekanntmachung: Wir wissen wo du wohnst”

Diese Botschaft wurde in den letzten Wochen an mehrere Häuser von Mitgliedern der Studentenschaft der UIS (Universidad Industrial de Santander) und der Gewerkschaft der Universität SINTRAUNICOL in Bucaramanga aufgesprayt. Vorangegangen wurde diese Botschaft durch einen Drohbrief, der per e-mail an die betreffenden Institutionen versandt wurde. Als Absender wird der BLOQUE METROPOLITANA DE BUCARAMANGA NUEVA GENERACION AGUILAS NEGRAS genannt. In dem Mail werden verschiedene Studentenorganisationen und die Mitglieder der Gewerkschaft als “militaerische Ziele” erklaert. Weiter wird ausgefuehrt, dass die Initianten (die laut eigenen Aussagen selbst der Studentenschaft der UIS angehoeren) Anhaenger der sogenannten “Politik der demokratischen Sicherheit” des Praesidenten Alvaro Uribe sind und bis zum Ende an dieser Ideologie festhalten wollen. Um diesen “Endsieg” zu erringen muss auch die Universitaet - als einer der letzten Horte der Guerilleros - gesaeubert werden. Die Studentenbewegung sei nichts anderes als ein Pack von verkleideter Terroristen die der FARC dienen. Die Initianten - so die Botschaft - erklaeren den genannten Organisationen und Personen den “frontalen Krieg mit Blut und Feuer”. Das Mail endet mit dem Satz: “Wir werden euch toeten, Hurensoehne!”

Leider sind Drohungen dieser Art in Kolumbien an der Tagesordnung. Da an der Universitaet auch Studenten sind, die der Politik des Praesidenten bzw. paramilitaerischen Organisationen nahestehen, muessen solche Drohungen Ernst genommen werden - mit einer vernichtenden Wirkung: Jegliche (konstruktive) Kritik wird gewaltsam unterbunden und ein Klima der Angst breitet sich aus. Personen die in den Hassmails persoenlich genannt werden halten sich in Zukunft von oeffentlichen Stellungsnahmen zurueck, wechseln die Stelle, den Wohnort, das Land - oder sie riskieren weitere Morddrohungen, die absolute Unfaehigkeit sich in sozialen Belangen oeffentlich einzusetzen, den Verlust der Privatsphaere, Verfolgungswahn…im Extremfall ihr eigenes Leben bzw. das ihrer Familienangehoerigen. Deshalb ist die Organisation in Studentenorganisationen, Gewerkschaften oder anderen Interessensgruppen in Kolumbien lebensgefaehrlich!

Die Morddrohung (die hier nachgelesen werden kann) ist nur ein Beispiel unter vielen. Da aber einige unserer engsten Freunde in Bucaramanga von dieser Drohung direkt betroffen sind, soll dieses Beispiel hier aufgefuehrt werden.

Drohung gegen Schweizer TV-Team

03. März 2009

Film-Crew verlässt Kolumbien

Ein Schweizer Filmteam hat nach schweren Drohungen seine Dreharbeiten in Kolumbien abbrechen und das Land verlassen müssen. Die Sicherheit der Equipe war nicht mehr gewährleistet, wie das Westschweizer Fernsehens TSR und der französisch-deutsche Kultursender Arte mitteilten. Das Filmteam arbeitete seit drei Wochen am Dokumentarfilm «Impunity», einer Koproduktion von TSR und Arte.
Im Film geht es um einen Prozess gegen kolumbische Militärchefs, die im Zusammenhang mit der Ermordung von tausenden von Zivilisten derzeit vor Gericht stehen. Der schweizerisch-kolumbianische Regisseur Juan Lozano und die in Genf ansässige Produktionsfirma Intermezzo Films seien in der Folge bedroht worden, teilten TSR und Arte mit. Die von «Echten Kolumbianern» unterzeichneten Drohschreiben seien aufelektronischem Weg eingegangen, sagte Juan Lozano. Die Urheber vermuteter in Kreisen paramilitärischer Gruppierungen.
In den Drohschreiben werde der Filmequipe vorgeworfen, in Europa gegen die «demokratische Bewegung» Stimmung zu machen, die Präsident Alvaro Uribe in Kolumbien errichten wolle. Die Filmequipe hat sowohl in Kolumbien als auch in Genf Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Anmerkung: Die Produktion war zusammen mit dem kolumbianischen Filmemacher Holman Morris, bekannt durch seine kritischen DOKs “Contravia”, geplant. Morris, dessen investigativer Journalismus unter anderem von der Schweiz mitfinanziert wird, ist der Regierung Uribe seit laengerem ein Dorn im Auge. Er wurde mehrmals angeklagt und ist Empfaenger zahlreicher Morddrohungen durch paramilitaerische Organisationen.

Xstrata und Nestlé - Schweizer Profit in Kolumbien

30. Januar 2009

2. Februar 2009, 19.30 Uhr

Kirchgemeindehaus Johannes, Wylerstrasse 5, Bern

Seit Jahrzehnten herrscht in Kolumbien ein grausamer bewaffneter Konflikt. Insbesondere jene, die den Profitinteressen der herrschenden Eliten entgegen treten, werden systematisch vertrieben, verfolgt und ermordet: KleinbäuerInnen, VertreterInnen von Menschenrechts-, Frauenorganisationen und Gewerkschaften.

Wirtschaften in einem solchen konfliktgeladenen Kontext verlangt eine besondere Verantwortung. Auch Schweizer multinationale Konzerne sind in Kolumbien tätig, wie z.B. Nestlé, die Nummer 1 der globalen Lebensmittelindustrie, oder Xstrata, der mit Glencore liierte Rohstoffmulti. Wie erzielen diese Konzerne ihre Gewinne in Kolumbien?  Wie verhalten sie sich gegenüber ihren Mitarbeitenden, den Gewerkschaften, der lokalen Bevölkerung und anderen Betroffenen und der Umwelt?

Informationsveranstaltung mit Vertretern der kolumbianischen
Gewerkschaften:

* Sintracarbón (Gewerkschaft der Kohlenarbeiter) und
* Sinaltrainal (Lebensmittelgewerkschaft)

www.multiwatch.ch