Exkursion zur Vereda San Isidro mit „Economia Popular“
Bei „Economia Popular” geht es vor allem darum, einen nachhaltigen Marktzugang für vulnerable und benachteiligte Gruppen (v.a. Bauern) zu schaffen. COMPROMISO arbeitet mit 12 Basisorganisationen zusammen, deren Ziel nicht nur der Direktverkauf von Produkten sondern auch die Stärkung der Selbstorganisation und damit des Selbstbewusstseins und der Selbständigkeit ist. Das dadurch garantierte regelmässige Einkommen hat einen positiven Einfluss auf die Ernährung, die Wohnsituation und die Bildung der Kinder. Zudem können so Versicherungen (Gesundheit, Berufsrisiken…) abgeschlossen werden, die vom Staat keineswegs garantiert sind.
COMPROMISO hilft beim Networking der beteiligten Akteure sowie bei der Suche nach einem Marktplatz und den notwendigen technischen und finanziellen Ressourcen. Zudem werden die Akteure darauf vorbereitet, sich politisch für ihre Anliegen einzusetzen.
Von einer globalen Sichtweise aus gesehen kann man das Anliegen von „Economia Popular” als eine Antwort auf die Gefahr von einem Freihandelsabkommen (TLC = Trata de Libro Comercio) mit den USA sehen. Der TLC würde als Gesetz neoliberale Reformen legalisieren und legitimieren. Während die Regierung von einem Anstieg des BIP von 6% spricht prognostizieren andere Quellen den Anstieg von Medikamentenpreisen von 45%. Dies würde die 25% der kolumbianischen Bevölkerung, welche unter der Armutsgrenze lebt umso härter treffen.
Während die USA immer davon spricht Gewalt und Kriege auf internationaler Ebene einzudämmen, so reisst sie in Tat und Wahrheit die ökonomische Macht über „unterentwickelte Länder” an sich. Aber im Ausverkauf der kolumbianischen Ressourcen sind die USA nicht die einzigen Akteure. Auch europäische Firmen sind kräftig am mitmischen. Das Prinzip ist jeweils das gleiche: Die nationale und transnationale Elite profitiert durch ihre Monopolstellung auf Kosten von Klein- und Kleinstproduzenten.
Mercored - eine von COMPROMISO geförderte Basisorganisation - setzt sich für die Entwicklung von Alternativen im Verkauf von bäuerlichen Produkten ein. Mit basisdemokratischen Mitteln sollen Abhängigkeiten reduziert und kollektive Vertriebskanäle genutzt werden um in einer globalisierten Welt zu bestehen.
Um 6 Uhr morgens treffe ich mich mit Francisco und Mauricio von der Abteilung „Economia Popular” im Stadtzentrum um an einer Exkursion mit Mercored nach Angusan teilzuhaben.
In einer Busetta durchqueren wir Bucaramanga und je weiter wir in den Norden fahren, desto ärmlicher wird die Gegend. Am Ende des Hochplateaus, worauf die Stadt gebaut ist, sind die Strassen immer seltener geteert, die Häuser schmutzig und improvisiert. Schliesslich fahren wir in das Rio Negro Tal hinunter. An der Bergflanke reihen sich jetzt die Häuser der ärmsten Bewohner der Stadt. Wenn man bedenkt, dass hier etwa 80′000 Menschen auf engstem Raum leben, nimmt man den reichen Osten der Stadt mit anderen Augen wahr. Etwas weiter unten schliesslich die Baracken aus Plastik und die Müllhalden der Desplazados (Vertriebene). Nach einer halben Stunde Fahrt steigen wir in einen Pick Up und erreichen schliesslich den Weiler Angusan auf einer Anhöhe.
In den folgenden Stunden wird den etwa 15 Anwesenden- durch einen von COMPROMISO unterstützten Agroexperten - eine Einführung in biologischer Düngung gegeben. Während schon der Sancocho über dem Holzfeuer köchelt lassen wir uns belehren, welche Vorteile die biologische Düngung für die Kleinbauern darstellen kann.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen versammelt sich die Gruppe zur Beratung der weiteren Vorgehensweise. Die Disziplin mit welcher basisdemokratisch diskutiert und abgestimmt wird ist beeindruckend. Die Konflikte, die durchaus bestehen, werden dadurch angesprochen und sogleich angegangen.
