2. Exkursion mit Economía Popular
Kakaoplantage in der Nähe von Lebrija
An diesem Samstag haben wir an einer weiteren Exkursion von der Abteilung Economía Popular (EP) teilgenommen. Wieder hieß es im Morgengrauen aufstehen und dann mit dem Bus zwei Stunden Richtung Norden. Wir sind mit Martha und Pablo unterwegs. Ziel dieser Exkursion ist es, einer Gruppe von Desplazados mit denen COMPROMISO zusammenarbeitet, zu demonstrieren wie sie auf ihrem Stück Land produktiver Kakao anbauen können. Dazu treffen wir mit ungefähr 12 Leuten an einer Wegkreuzung irgendwo auf dem Land und besuchen dann eine Finca, auf der seit Jahren schon sehr produktiv Kakao angebaut wird. Wir erfahren, dass bestimmte Sorten nur im Schatten gedeihen, andere widerum kann man erst nach einigen Monaten ernten. Insgesamt gibt es mehr als 6 verschiedene Sorten, die alle mit ihren ganz bestimmten Merkmalen eine kontinuierliche Ernte ermöglichen und so die Lebensgrundlage sichern. Beim Anbau wird auf Insektizide und ähnliches verzichtet, was man daran erkennt, dass es auf den Feldern Mücken und anderes Viehzeug gibt. In dem Fall nehmen wir die Stiche natürlich gerne in Kauf.
Im Rahmen des INCODER (Instituto Columbiano de Desarrollo Rural) erhalten die vertriebenen Bauern ein Stück Land auf dem sie eine Neuanfang beginnen können. In vielen Fällen liegen diese Flächen aber in Gebieten, in denen nach der Guerilla nun die Paramilitärs das Sagen haben. Sie fliehen sozusagen vor der Gewalt in die erneute Gewalt. Oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als mit den Paras zu kooperieren bzw. sie zu erdulden. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Bauern die Nähe zu den Paramilitärs nutzen und Anzeige erstatten. Allerdings leben sie dann in ständiger Angst einem Mordanschlag zum Opfer zu fallen.
Nach zwei Stunden, in denen wir über die Anbauflächen geführt werden, gibt es ein gemeinsames Mittagessen auf der Finca. Fleisch mit Yuca. Wir essen mit der Hand und die Frauen des Hauses bedienen uns. Ich fühle mich komisch und dreimal fragen wir sie, ob sie sich auch wirklich was vom Essen zurückbehalten haben. Die Macho-Kultur ist auf dem Land noch viel stärker ausgeprägt.

