Archiv für Januar 2009

Xstrata und Nestlé - Schweizer Profit in Kolumbien

Freitag, 30. Januar 2009

2. Februar 2009, 19.30 Uhr

Kirchgemeindehaus Johannes, Wylerstrasse 5, Bern

Seit Jahrzehnten herrscht in Kolumbien ein grausamer bewaffneter Konflikt. Insbesondere jene, die den Profitinteressen der herrschenden Eliten entgegen treten, werden systematisch vertrieben, verfolgt und ermordet: KleinbäuerInnen, VertreterInnen von Menschenrechts-, Frauenorganisationen und Gewerkschaften.

Wirtschaften in einem solchen konfliktgeladenen Kontext verlangt eine besondere Verantwortung. Auch Schweizer multinationale Konzerne sind in Kolumbien tätig, wie z.B. Nestlé, die Nummer 1 der globalen Lebensmittelindustrie, oder Xstrata, der mit Glencore liierte Rohstoffmulti. Wie erzielen diese Konzerne ihre Gewinne in Kolumbien?  Wie verhalten sie sich gegenüber ihren Mitarbeitenden, den Gewerkschaften, der lokalen Bevölkerung und anderen Betroffenen und der Umwelt?

Informationsveranstaltung mit Vertretern der kolumbianischen
Gewerkschaften:

* Sintracarbón (Gewerkschaft der Kohlenarbeiter) und
* Sinaltrainal (Lebensmittelgewerkschaft)

www.multiwatch.ch

Trügerisches Paradies

Sonntag, 18. Januar 2009

Zwischen Weihnachten und Neujahr gönnten Julia und ich uns eine Auszeit: Wir hatten ein unglaubliches Bedürfnis nach Ruhe, Natur und Einfachheit. Die vergangenen Monate und die Arbeit bei COMPROMISO waren sehr spannend aber auch sehr belastend. Dem Rat einer Freundin folgend fuhren mit dem Bus in den Golf von Uraba (Choco) der trotz seiner traumhaften Strände an der karibischen Küste eine vom Tourismus unberührte Region ist. Dort verbrachten wir traumhafte Tage am Meer, im Urwald, in einem Naturreservat, bei Wasserfällen…und in einfachsten Verhältnissen lebend.

Urabá chocoano

Urabá chocoano

In dieser Woche haben wir viele Freundschaften geschlossen und uns wahrhaftig in diesen Landstrich an der Grenze zu Panama verliebt. Das Gebiet hat eine der grössten Artenvielfalten der ganzen Welt und es wimmelt von Affen, bunten Vögeln, Schlangen, Fröschen… Neben der Afrokolumbianischen Bevölkerung haben sich in der Region auch zahlreiche Aussteiger aus Medellín niedergelassen. So hat sich hier eine kleine sympathische Hippiegemeinde gebildet, deren Ziel die Konservation dieser natürlichen Vielfalt mittels Landkauf und Reservatbildung ist.

Wird die Bevölkerung auf den Konflikt angesprochen so versichern sie schnell dass hier alles ruhig sei. Eine heile Welt inmitten eines vom Krieg zerfressenen Landes?

Erst mit der Zeit haben wir gemerkt, dass es auch hier nur auf der Oberfläche friedlich ist. Einen Tag vor Weihnachten gehen wir an dem Strand spazieren als ein (amerikanischer) Kampfhubschrauber Typ Apache am Horizont auftaucht und mehrmals den Bergkamm überfliegt. Plötzlich wendet er und nimmt Kurs auf uns. Direkt über der Wasseroberfläche und nur 20 Meter von uns entfernt bleibt er in der Luft stehen und beobachtet uns mehrere Minuten lang. Total eingeschüchtert von diesem “Koloss des Todes” geben wir unsere Hilflosigkeit zu verstehen indem wir winken. Schliesslich wendet er sich ab und fliegt zurück zur Militärbasis (17. Brigade).

Auf nachfragen wird uns gesagt, dass sich scheinbar der Paramilitär Alias “Don Mario” in der Gegend herumtreibe. “Don Mario” ist ein 43 jähriger Drogenbaron und Partner der grössten mexikanischen Drogenkartelle. Im Rahmen des “Plan Colombia” und zur “Bekämpfung des Drogenhandels und des Terrorismus” hat die Regierung 1,5 Mio Dollar auf seine Verhaftung ausgeschrieben. Am 15. Oktober 2008 machte in der Region ein Pamphlet die Runde in der “Don Mario” die Entstehung der ‘Autodefensas Gaitanistas de Colombia’ ankündigte. Während schon der Name klar auf eine Verbindung zur “demobilisierten” AUC (Autodefensas Unidas de Colombia) und auf deren Wiederbewaffnung hinweist, sprechen die Behörden von einer “terroristischen” Gruppe (siehe dazu der Artikel in el Espectador).

Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien schreibt dazu:

Paramilitärische Gruppen mit der Bezeichnung Autodefensas Gaitanistas de Colombia führen in verschiedenen Regionen des Landes Aktionen durch. In Urabá rufen sie einen bewaffneten Streik aus und erreichen praktisch die Lahmlegung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Necocli, Chigorodó, Carepa und Turbo. 90% der für den Export produzierenden Bananenplantagen und der öffentliche Transport kommen zum Erliegen. Die Bezeichnung „Gaitanistas“ (A.d.Ü. in Anspielung an Jorge Eliecer Gaitán, dem 1948 ermordeten liberalen Politiker) scheint deshalb gewählt zu sein, um diesen paramilitärischen Gruppen einen „politischen“ Status zu geben.

Tatsächlich finden wir auf einem Stein - ganz unscheinbar neben dem Weg am traumhaften Strand - einen Schriftzug aufgesprayt:

Autodefensas Gaitanistas

Autodefensas Gaitanistas

Auch das folgende Bild - direkt aufgenommen von unserer Bleibe - hat einen unsichtbaren Schönheitsfehler: Das Boot gehört - laut Aussagen der Bewohner - der lokalen paramilitärischen Gruppierung die sich vor allem mit illegalem Holzschlag Gewinne verschafft.

Nach Weihnachten besuchen wir das Reservat, dessen rechtliche Grundlage der Bruder unseres Gastgebers vor etwa 20 Jahren fixiert hat. Seither kämpft er um den Erhalt des Regenwaldes in dem Gebiet und hat eine Art ökotouristisches und ökopedagogisches Zentrum auf einem einem Hügel etwa 2 Gehstunden vom Strand eingerichtet. Als wir die Pforten des Reservats öffnen fällt uns neben der wunderschönen Natur sogleich zerknickte Palmen und Bananenplantagen auf. Hier erfahren wir schliesslich, dass am 23. Dezember 4 Helikopter neben dem Reservats-Haus schwer bewaffnete Soldaten abgeseilt haben (einer dieser Helikopter hat uns damals am Strand überrascht). Die Männer seien in die Häuser eingedrungen und alles über den Haufen geworfen. Die Zerstörung, welche scheinbar der Wind der Rotoren angerichtet hat ist gewaltig:

Dass es zu einer Entschädigung der zerstörten Plantagen und Pflanzen kommt ist ausgeschlossen: Schliesslich befindet man sich im Krieg! Dass der Krieg uns so schnell wieder ins Gedächtnis gerufen wurde war hart, wähnten wir uns doch im Paradies…

Coca, Coca Cola y Cocaina

Sonntag, 18. Januar 2009

Endlich posten wir unser Kurzvideo von der Teilnahme an der Veranstaltung “Coca, Coca Cola y Cocaina” am 18.10.2008 an der Universidad Nacional (Bogotá) auf COMPROMISO MEDIOS.

YouTube Preview Image

Durch wichtige Repräsentanten der Nasa-Indígenas werden wir in den Coca-Kult eingeführt. Sie erläutern uns die medizinische, religiöse und soziale Bedeutung des Coca-Blattes in ihrem Alltag. Coca heilt und dient als vitaminreiches (Über-) Lebensmittel, welches Müdigkeit und Kälte bei der Arbeit abhält.

Dann kommt der Übergang zum Coca Cola…vom “heilenden Inhalt” bis zur Distanzierung vom verteufelten Blatt. Von den Trademark-Kriegen gegen die Indígenas bis zu den Morden an Gewerkschaftern durch paramilitärische Gruppen.

“Drogenmissbrauch” ist ein Wort, das es in der Sprache der Nasa nicht gibt. Erst die Logik der kapitalistischen Ausbeutung und der Prohibition haben dieses Wort geschaffen. Die Gewalt, die durch den Handeln mit Kokain entstanden ist, macht ein gewichtiger Teil des Bürgerkriegs in Kolumbien seit den 80er Jahren aus. Die Kosten der Abwehr (USA, Mexiko, Europa) sind immens. Kolumbien ist neben Israel der höchste Empfänger an US-amerikanischer Militärhilfe. Der Plan Colombia bzw Plan Patriota ist ein Abkommen zwischen den USA und Kolumbien, das in erster Linie der Drogenbekämpfung dient. Gebracht haben die Milliarden an Dollar wenig: Heute werden (wie auch im Jahre 2000) immer noch 600 Tonnen Kokain exportiert (wobei ca. 50% in den südlichen Provinzen Nariño und Putumayo angebaut werden). Was bleibt ist die Militarisierung des Landes. Überall stehen schwer bewaffnete Soldaten. Sie sind zur Sicherheit der Bürger da, heisst es. Klar, schliesslich besuche ich ein Land wo auf 100 Einwohner 8 Schusswaffen kommen und jährlich 18′000 Menschen ermordet werden. Doch ist Militarisierung (mit der Folge, dass das Militär zusammen mit paramilitärischen Gruppen oft Hauptakteur bei Massakern ist) ein Lösung?

Was nach der Präsentation blieb, sind die Fragen: Wie kann man dem Drogenhandel Herr werden, ohne ein Verbot des Kokaanbaus? Wo ist die Grenze zwischen “Gebrauch” und “Missbrauch”? Was kann gegen die Musealisierung der indigenen Kultur gemacht werden?

CIA Bericht bestätigt Informationen kolumbianischer Menschenrechtsorganisationen: Verbindungen der Paramilitärs mit dem Militär beim CIA seit 1994 aktenkundig

Freitag, 09. Januar 2009

Geheimdienstberichte in den USA freigegeben

Keine Überraschung bieten die Informationen jüngst freigegebener US-Geheimdienstberichte nach Einschätzung der Organisation kolko e.V. Seit vielen Jahren prangern Menschenrechtsorganisationen die engen Verbindungen zwischen Paramilitärs und den staatlichen Streitkräften in Kolumbien an. “Wir begrüßen es, dass diese Informationen der CIA nun öffentlich sind. Die Informationen der Berichte überraschen bei Menschenrechtsorganisationen allerdings niemanden. Es war außerdem undenkbar, dass die Verbindungen zwischen Paramilitärs und Streitkräften dem US-Geheimdienst verborgen geblieben sind.” so die Kolumbienexpertin Alexandra Huck von kolko e.V. “Die freigegebenen Berichte bestätigen, dass außergerichtliche Hinrichtungen schon seit langem durch die Beförderungspraxis der Streitkräfte begünstigt werden.” so Alexandra Huck weiter.

Die U.S.-amerikanische Nicht-Regierungsorganisation “National Security Archive” hat am Mittwoch Dokumente von US-Behörden öffentlich gemacht. Diese wurden jüngst freigegeben. In einem CIA-Bericht ist bereits 1994 zu lesen: “Die kolumbianischen Sicherheitskräfte bringen weiterhin Todesschwadronen im Rahmen ihrer Aufstandsbekämpfungsstrategie zum Einsatz. Das Militär ist bekannt dafür, linksgerichtete Zivilisten in Guerilla-dominierten Regionen zu ermorden und bei Angriffen gegen mutmaßliche Guerilla-Sympathisanten mit paramilitärischen Gruppen zu kooperieren, die ins Drogengeschäft verwickelt sind, sowie dafür, gefangen genommene Kombattanten zu töten”. (Übersetzung aus dem Englischen von kolko e.V.).

Weitere Berichte stellen den Bezug zu außergerichtlichen Hinrichtungen her. Die kolumbianischen Streitkräfte stehen seit Monaten wegen zahlreicher außergerichtlicher Hinrichtungen international massiv in der Kritik. In einem weiteren jetzt freigegebenen Dokument von 1994 berichtet der damalige US-Botschafter in Kolumbien, Myles Frechette, von der “body-count”-Mentalität bei karrierebewussten Offizieren der Streitkräfte: “Offiziere, die keine aggressive Guerilla-Bekämpfung (bei der die meisten Menschenrechtsverletzungen durch das Militär auftreten) vorweisen können, haben Nachteile, wenn Beförderungen anstehen.” Das kolumbianische Menschenrechtsnetzwerk “cceeu” berichtet von 1.200 Fällen außergerichtlicher Hinrichtungen in den letzten sechs Jahren. Die kolumbianische Regierung wurde im Rahmen der Staatenüberprüfung der Vereinten Nationen in Genf vor einem Monat von vielen Staaten aufgefordert, Maßnahmen gegen die außergerichtlichen Hinrichtungen zu ergreifen. Der deutsche Vertreter hatte trotz anhaltend hoher Zahlen in erster Linie die von der kolumbianischen Regierung ergriffenen Maßnahmen begrüßt.

Glencore: Der stumme Riese (am 5. Jan. auf SF1)

Sonntag, 04. Januar 2009

Sendung vom 5. Januar 2009, 22:20 Uhr, ECO auf SF1

Der Schweizer Grosskonzern Glencore aus Zug besitzt Bergwerke auf der ganzen Welt, dirigiert 130 Hochseeschiffe und ist einer der weltweit grössten Rohstoffhändler. In den vergangenen Jahren hat sich der Konzern vom Rohstoffhändler zum Rohstoffproduzenten weiterentwickelt. Das bringt politische und soziale Konflikte (z.B. in Kolumbien) mit sich und den öffentlichkeitsscheuen Konzern in die Schlagzeilen der internationalen Presse. «ECO-Spezial» über die Strategie, die Probleme und die Kunden der Geldmaschine Glencore.

Im Internet ist die Sendung hier zu finden.