Archiv für März 2009

Peacewatch sucht Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien

Sonntag, 15. März 2009

In diesem Moment befinden sich laut Peace Watch Switzerland erste Menschenrechtsbeobachter aus der Schweiz in der Provinz Santander, wo sich auch die Stadt Bucaramanga befindet. Wie die Menschenrechtsorganisation in ihrem Newsletter schreibt, wird es noch in diesem Sommer zu regulaeren Einsaetzen von Menschenrechtsbeobachtern in Kolumbien kommen:

Die Planungen im Kolumbienprojekt werden konkreter. Wir freuen uns Ende Februar mit einer Pilotphase in Kolumbien starten zu können. Diese wird bis in den Sommer reichen. Gleichzeitig werden wir erfahrene PWS-Einsatzleistende für Einsätze ab Juli vorbereiten, um dem Projekt die
notwendige Kontinuität zu geben. Die Einsätze werden drei bis dreieinhalb Monate dauern.

Das Projekt verfolgt aehnliche Ziele wie es auch das COMPROMISO-MEDIOS Projekt verfolgt:

Wir beobachten zum Schutz der Zivilbevölkerung. Die internationale Präsenz vor Ort erschwert Übergriffe auf die Zivilbevölkerung. Menschenrechtsverletzungen können so nicht unbemerkt geschehen. Allen am Konflikt beteiligten Parteien und der betroffenen Zivilbevölkerung zeigt die Anwesenheit von internationalen Freiwilligen, dass der Konflikt in Kolumbien international bekannt ist und aufmerksam verfolgt wird. (…) Die Einsätze sensibilisieren auf verschiedenen Ebenen: Freiwillige, die einen Einsatz leisten, gewinnen eine tiefe Einsicht in die Probleme der kolumbianischen Gemeinschaften. Jenseits des touristischen Blickwinkels erleben sie eine andere Realität Kolumbiens. In der Schweiz erhalten wir so Informationen aus erster Hand: Augenzeugenberichte beschreiben die Probleme, deren Ursachen und Symptome. Die Berichte der zurückgekehrten Freiwilligen werden veröffentlicht und verbreitet. Durch Öffentlichkeitsarbeit in der Schweiz werden wir, und vor allem der Konflikt, stetig bekannter. Alle Freiwilligen leisten nach ihrem Einsatz einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit.

Falls jemand interessiert ist, einen 3-monatigen Einsatz als Menschenrechtsbeobachter in Kolumbien zu leisten, so meldet euch bitte in der Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 044 272 27 88 oder per Mail unter info@peacewatch.ch .

Die Strategie der Einschüchterung

Samstag, 07. März 2009

“Erste Bekanntmachung: Wir wissen wo du wohnst”

Diese Botschaft wurde in den letzten Wochen an mehrere Häuser von Mitgliedern der Studentenschaft der UIS (Universidad Industrial de Santander) und der Gewerkschaft der Universität SINTRAUNICOL in Bucaramanga aufgesprayt. Vorangegangen wurde diese Botschaft durch einen Drohbrief, der per e-mail an die betreffenden Institutionen versandt wurde. Als Absender wird der BLOQUE METROPOLITANA DE BUCARAMANGA NUEVA GENERACION AGUILAS NEGRAS genannt. In dem Mail werden verschiedene Studentenorganisationen und die Mitglieder der Gewerkschaft als “militaerische Ziele” erklaert. Weiter wird ausgefuehrt, dass die Initianten (die laut eigenen Aussagen selbst der Studentenschaft der UIS angehoeren) Anhaenger der sogenannten “Politik der demokratischen Sicherheit” des Praesidenten Alvaro Uribe sind und bis zum Ende an dieser Ideologie festhalten wollen. Um diesen “Endsieg” zu erringen muss auch die Universitaet - als einer der letzten Horte der Guerilleros - gesaeubert werden. Die Studentenbewegung sei nichts anderes als ein Pack von verkleideter Terroristen die der FARC dienen. Die Initianten - so die Botschaft - erklaeren den genannten Organisationen und Personen den “frontalen Krieg mit Blut und Feuer”. Das Mail endet mit dem Satz: “Wir werden euch toeten, Hurensoehne!”

Leider sind Drohungen dieser Art in Kolumbien an der Tagesordnung. Da an der Universitaet auch Studenten sind, die der Politik des Praesidenten bzw. paramilitaerischen Organisationen nahestehen, muessen solche Drohungen Ernst genommen werden - mit einer vernichtenden Wirkung: Jegliche (konstruktive) Kritik wird gewaltsam unterbunden und ein Klima der Angst breitet sich aus. Personen die in den Hassmails persoenlich genannt werden halten sich in Zukunft von oeffentlichen Stellungsnahmen zurueck, wechseln die Stelle, den Wohnort, das Land - oder sie riskieren weitere Morddrohungen, die absolute Unfaehigkeit sich in sozialen Belangen oeffentlich einzusetzen, den Verlust der Privatsphaere, Verfolgungswahn…im Extremfall ihr eigenes Leben bzw. das ihrer Familienangehoerigen. Deshalb ist die Organisation in Studentenorganisationen, Gewerkschaften oder anderen Interessensgruppen in Kolumbien lebensgefaehrlich!

Die Morddrohung (die hier nachgelesen werden kann) ist nur ein Beispiel unter vielen. Da aber einige unserer engsten Freunde in Bucaramanga von dieser Drohung direkt betroffen sind, soll dieses Beispiel hier aufgefuehrt werden.

Drohung gegen Schweizer TV-Team

Dienstag, 03. März 2009

Film-Crew verlässt Kolumbien

Ein Schweizer Filmteam hat nach schweren Drohungen seine Dreharbeiten in Kolumbien abbrechen und das Land verlassen müssen. Die Sicherheit der Equipe war nicht mehr gewährleistet, wie das Westschweizer Fernsehens TSR und der französisch-deutsche Kultursender Arte mitteilten. Das Filmteam arbeitete seit drei Wochen am Dokumentarfilm «Impunity», einer Koproduktion von TSR und Arte.
Im Film geht es um einen Prozess gegen kolumbische Militärchefs, die im Zusammenhang mit der Ermordung von tausenden von Zivilisten derzeit vor Gericht stehen. Der schweizerisch-kolumbianische Regisseur Juan Lozano und die in Genf ansässige Produktionsfirma Intermezzo Films seien in der Folge bedroht worden, teilten TSR und Arte mit. Die von «Echten Kolumbianern» unterzeichneten Drohschreiben seien aufelektronischem Weg eingegangen, sagte Juan Lozano. Die Urheber vermuteter in Kreisen paramilitärischer Gruppierungen.
In den Drohschreiben werde der Filmequipe vorgeworfen, in Europa gegen die «demokratische Bewegung» Stimmung zu machen, die Präsident Alvaro Uribe in Kolumbien errichten wolle. Die Filmequipe hat sowohl in Kolumbien als auch in Genf Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Anmerkung: Die Produktion war zusammen mit dem kolumbianischen Filmemacher Holman Morris, bekannt durch seine kritischen DOKs “Contravia”, geplant. Morris, dessen investigativer Journalismus unter anderem von der Schweiz mitfinanziert wird, ist der Regierung Uribe seit laengerem ein Dorn im Auge. Er wurde mehrmals angeklagt und ist Empfaenger zahlreicher Morddrohungen durch paramilitaerische Organisationen.