Drohung gegen Schweizer TV-Team
Film-Crew verlässt Kolumbien
Ein Schweizer Filmteam hat nach schweren Drohungen seine Dreharbeiten in Kolumbien abbrechen und das Land verlassen müssen. Die Sicherheit der Equipe war nicht mehr gewährleistet, wie das Westschweizer Fernsehens TSR und der französisch-deutsche Kultursender Arte mitteilten. Das Filmteam arbeitete seit drei Wochen am Dokumentarfilm «Impunity», einer Koproduktion von TSR und Arte.
Im Film geht es um einen Prozess gegen kolumbische Militärchefs, die im Zusammenhang mit der Ermordung von tausenden von Zivilisten derzeit vor Gericht stehen. Der schweizerisch-kolumbianische Regisseur Juan Lozano und die in Genf ansässige Produktionsfirma Intermezzo Films seien in der Folge bedroht worden, teilten TSR und Arte mit. Die von «Echten Kolumbianern» unterzeichneten Drohschreiben seien aufelektronischem Weg eingegangen, sagte Juan Lozano. Die Urheber vermuteter in Kreisen paramilitärischer Gruppierungen.
In den Drohschreiben werde der Filmequipe vorgeworfen, in Europa gegen die «demokratische Bewegung» Stimmung zu machen, die Präsident Alvaro Uribe in Kolumbien errichten wolle. Die Filmequipe hat sowohl in Kolumbien als auch in Genf Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.
Anmerkung: Die Produktion war zusammen mit dem kolumbianischen Filmemacher Holman Morris, bekannt durch seine kritischen DOKs “Contravia”, geplant. Morris, dessen investigativer Journalismus unter anderem von der Schweiz mitfinanziert wird, ist der Regierung Uribe seit laengerem ein Dorn im Auge. Er wurde mehrmals angeklagt und ist Empfaenger zahlreicher Morddrohungen durch paramilitaerische Organisationen.
10. Juni 2010 at 21:47
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