Vortrag über Extralegale Hinrichtungen an der UNAB

19. November 2008
Universität

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Corperación Colectivo de Abogados Luis Carlos Pérez Cátedra Abogados Galvis Galvis „Ejecuciones Extralegales en el Catatumbo“

Am 24.10.08 in der UNAB (Universidad Autonoma de Bucaramanga)

Am 23. Oktober nehmen wir an einem Vortrag des Anwaltkollektivs “Abogados Luis Carlos Perez” an der Universidad Autónoma de Bucaramanga teil. Es geht um aussergerichtliche Hinrichtungen im Catatumbo. Der Catatumbo ist eine ressourcenreiche Region (Kohle, Gold…) die hauptsächlich in der Provinz “Norte de Santander” liegt und ein Brennpunkt im kolumbianischen Konflikt darstellt. Hier gibt es alle erdenklichen bewaffneten Akteure (ELN, FARC, Aguilas Negras/Paramilitärs und die Armee). Um das Territorium für die Ausbeutung der Rohstoffe nutzbar zu machen, werden die Landbesitzer mit Gewalt vertrieben bzw. ermordet. Als Hauptakteur wird dabei die Armee bezeichnet, die Zivilisten ermordet um sie später (in Kampfuniform der FARC verkleidet) als “im Kampf gefallene Guerilleros” darzustellen.

Melissa, eine junge Anwältin, eröffnet ihren Vortrag mit einer allgemeinen Einführung in die Menschenrechte:

Was verstehen wir unter Menschenrechten?

  • Sie beschränken das Militär als ausführende Macht des Staates
  • Sind Ergebnis der Geschichte und Kämpfe für soziale Gerchtigkeit
  • Sind ein menschliches Bedürfnis

Was sind schwere Verstöße gegen die (internationalen) Menschenrechte?

  • Extralegale Hinrichtungen
  • Entführung
  • Vertreibung
  • Folter
  • Nach der Genfer Konvention jegliche gewaltsame Handlungen der Kriegsparteien gegen die Zivilbevölkerung

Im zweiten Teil geht sie konkret auf die Taten der staatlichen Akteure ein.

Was verstehen wir unter Extralegalen Hinrichtungen?

  • Sie sind ein Verstoß gegen das Recht auf Leben seitens des Staates durch aktive Handlungen oder Unterlassen von Handlungen
  • Der Tatbestand laut des internt. Menschenrechts, wenn Akteure des Staats unschuldige und wehrlose Opfer umbringen
  • Der Mord, ausgeführt oder geduldet, von nicht legitimierten Personen die die Unterstützung unmittelbar oder mittelbar vom Staat haben

Nationaler Kontext (2002-2007): Im Rahmen der Politik „seguridad Democrática“(demokratische Sicherheit) finden folgende Schritte statt:

  • Rückgewinnung von Land durch Militarisierung
  • Kampf gegen illegale Akteure(Guerilla,etc.), Kampf gegen den Drogenhandel, Demobilisierung von Paramilitärs
  • Involvierung der Zivilbevölkerung in den bewaffneten Kampf
  • Verleugnung, dass es einen internen, bewaffneten Kampf gibt

Verstöße gegen die Menschenrechte:

  • 13.634 Menschen verlieren ihr Leben außerhalb des bewaffneten Konflikts
  • 1477 Menschen werden gewaltsam entführt
  • 932 Menschen werden gefoltert (201 verlieren ihr Leben dabei)

Charakterisierung der Extralegalen Hinrichtungen:

  • Die Mehrheit der Opfer werden vor den Behörden wie Guerilleros präsentiert, die im Kampf gestorben sind. Hierzu wird der Tatort dementsprechend verändert
  • Sie werden dem Militärstrafgericht übergeben
  • Die Opfer werden wir Guerilleros gekleidet, um die Tat zu vertuschen
  • Informationen werden gelöscht, um einen Tod im Kampf zu demonstrieren
  • Allegmein sind die Opfer Bauern vom Land und sind zwischen 17 und 30 Jahren
  • In den wenigsten Fällen können die Opfer identifiziert werden, die meisten bleiben unbekannt
  • Nur in Fällen, in denen es zu einer Anzeige kam, kann ermittelt werden

Was bleibt am Ende des Vortrags sind viele Fragen und eine ungefähre Ahnung von dem, was uns während unseres Aufenthalts in Kolumbien erwartet.

Falsos Positivos

04. November 2008

In Kolumbien ist der 59-jährige Chef der Streitkräfte zurückgetreten. Er ist in letzter Zeit wegen Morden an Zivilpersonen ins Zwielicht geraten. Die Armee soll Zivilpersonen umgebracht und sie als Rebellen ausgegeben haben.

Die sogenannten “falsos positivos” sind Morde an Zivilisten durch die kolumbianische Armee, um die Statistiken der “im Kampf getöteten Guerilleros” nach oben hin zu verfälschen. Einerseits gibt es eine persönliche Motivation eines jeden Soldaten ein Kopfgeld einzustreichen, andererseits besteht das Interesse der Regierung Resultate im “Kampf gegen den Terrorismus” gegenüber dem Geldgeber USA zu liefern. So sieht die Logik und der perverse Kreislauf des Krieges in Kolumbien aus.

Zum Artikel in der NZZ geht es hier.

Zum Artikel in El Espectador geht es hier.

Die “Falsos Positivos” werden sehr wohl von den Medien thematisiert wie das Beispiel hier (noticias uno) zeigt. Meist geschieht dies aber auf eine oberflächliche Art und Weise, die den kolumbianischen Konflikt als eine Art Naturkatastrophe darstellt.

Zivilbevölkerung zwischen den Fronten

28. Oktober 2008

Die Gewalt in Kolumbien bleibt hoch, die Menschenrechte werden weiterhin nicht respektiert, auch wenn die Regierung behauptet, dass die Lage sich beruhige. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht von Amnesty International. Zum Artikel in der NZZ geht es hier.

Kolumbien wirft Aktivisten raus.

20. Oktober 2008

Kolumbien weist drei Menschenrechtsaktivisten aus Deutschland und Frankreich aus. Für Präsident Álvaro Uribe ist das nicht genug: Er fordert Gefängnishaft.

Zum Artikel in der TAZ geht es hier.

Willkommen bei Compromiso Medios

16. Oktober 2008

Diese Homepage soll eine Plattform bieten für alle jene, die an Kolumbien bzw. an Medien in Konfliktgebieten interessiert sind.

Wir sind drei junge Menschen, die im Rahmen des ASA-Programms drei Monate in der Stadt Bucaramanga (Kolumbien) bei der Menschenrechtsorganisation COMPROMISO verbringen.

Im Ausland ist das Bild von Kolumbien stigmatisiert und auf wenige Stereotypen reduziert. In Kolumbien selbst ist die “öffentliche Meinung” maßgeblich durch große Medienkonzerne bestimmt, die sich in der Hand der Oligarchie befinden. Soziale Organisationen werden von den Medien selten als Informationsquellen anerkannt. Ihre Möglichkeit, die breite Öffentlichkeit über ihre Wahrnehmung zu informieren und zu sensibilisieren, sind gering.

Die Nichtregierungsorganisation COMPROMISO ist in Bucaramanga im Nordosten des Landes tätig. Zusammen mit Basisorganisationen der Zivilgesellschaft und in strategischen Allianzen z.B. mit regionalen Radio- und Fernsehsendern oder Universitäten plant COMPROMISO, unabhängig und partizipativ Medien zu produzieren.
Unsere Aufgabe während des Aufenthalts wird die Unterstützung dieses Prozess einer Kommunikationsstrategie “von unten” sein. Zusammen mit kolumbianischen KollegInnen arbeiten wir heraus, wie die Bedürfnisse der “ausgegrenzten” Bevölkerung (z.B. inländisch Vertriebener) aber auch die Anliegen sozialer Initiativen (z.B. Basisorganisationen, Gewerkschaften, Friedensinitiativen, Menschenrechtsorganisationen) durch eigene Medienproduktionen öffentlich gemacht werden können. Ein wichtiges Ziel ist auch die Sensibilisierung der internationalen Öffentlichkeit. Dies ist auch der Grund für diesen Blog.

Wir hoffen bei einigen das Interesse geweckt zu haben!